Einseitige Jury, abgehängte Jungen: Der Jugendliteraturpreis

Einseitige Jury, abgehängte Jungen: Was der Jugendliteraturpreis über unsere Jugend- und Bildungspolitik verrät
Ein Leserbrief eines aufmerksamen Lesers machte uns darauf aufmerksam, dass die neunköpfige Kritikerjury zur Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises fast ausschließlich aus Frauen besteht – bis auf eine einzige männliche Ausnahme. Die formelle Ernennung erfolgt durch das Bundesjugendministerium, das sich dem Leitprinzip des Gender-Mainstreaming verschrieben hat. Doch diese personelle Zusammensetzung offenbart eine tiefe Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und der Realität in der Bildungs- und Leseförderung.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten zeigen Schulleistungsstudien wie PISA unmissverständlich, dass Jungen bei der Lesekompetenz eklatant hinterherhinken. Ebenso unbestritten ist in der Fachwelt, dass die Lesemotivation der entscheidende Schlüssel ist, um diesen Rückstand aufzuholen, und dass es geschlechtsspezifische Leseinteressen gibt. Wenn ein Gremium, das über die wichtigsten Impulse auf dem Buchmarkt entscheidet, derart einseitig besetzt ist, wird die Jungenleseförderung auf strategischer Ebene ignoriert.
Da es sich beim Deutschen Jugendliteraturpreis um einen Staatspreis handelt, trägt das Ministerium die finale politische und rechtliche Verantwortung für das Gremium und dessen Zusammensetzung. Das Bundesjugendministerium hätte als Stifter des Preises die politische und administrative Macht, eine geschlechterparitätische Jury einzufordern. Wenn das Ministerium die Leseförderung von Jungen als strategisches Ziel in diesem Staatspreis verankern wollte, stünden ihm dazu konkrete Hebel zur Verfügung.
Da das Ministerium die Richtlinien des Preises erlässt, könnte es dort explizit festschreiben, dass die Jury nicht nur fachlich, sondern auch geschlechterparitätisch (also zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen) besetzt werden muss, um der Lebensrealität aller Kinder gerecht zu werden.
Da die finale Berufung der Juroren ein formaler Akt des Ministeriums ist, könnte es eine Liste des Dachverbandes, die eine extreme Schieflage aufweist, mit der Bitte um Nachbesserung zurückweisen.
Das Ministerium könnte vorschreiben, dass mindestens ein oder zwei der Sitze in der Kritikerjury explizit an ausgewiesene Experten für Jungenleseförderung vergeben werden müssen.
Aber all das macht es nicht. Es wirft ein ernüchterndes Licht auf den politischen Willen, wenn die spezifischen Bedürfnisse von Jungen und männlichen Jugendlichen in der Praxis schlicht keine Rolle spielen.
Fazit
Die Ignoranz gegenüber dieser Schieflage hat knallharte gesellschaftliche Konsequenzen. Wenn Jungen im Bildungssystem verlieren und arbeitslos auf der Straße landen, ist das ein mathematisches Faktum, das die Frauenquote in anderen Bereichen statistisch begünstigt. Ob dieses Ergebnis von der Politik explizit gewünscht ist, bleibt eine andere Frage – fest steht jedoch, dass die Verantwortlichen es strategisch ignorieren. Besonders kritisch ist dabei, dass als Konsequenz eine zunehmende Systemabkehr der männlichen Jugendlichen billigend in Kauf genommen wird. Die Politik muss sich fragen lassen, warum sie die Augen vor den realen Defiziten einer ganzen Generation von Jungen verschließt und deren Entkopplung von der Gesellschaft akzeptiert.
Quelle Beitragsbild: KI-generiert mit Google Gemini

