Lesehund – Tiere geben Vorlesenden Sicherheit

 

Interview mit Kimberly Ann Grobholz

Kimberly Ann Grobholz wurde in Los Angeles (USA) geboren und ist Dozentin an der Münchner VHS, Sinai Grundschule München. Sie gründete das Projekt LeseHund, das sie auch leitet. Weiterhin ist sie Regionalleiterin für Tiere helfen Menschen e.V und Tierheilpraktikerin
(Praxis am Gasteig)

http://www.therapyanimals.org/R.E.A.D.html
www.thmev.de
  
www.lesehund.de  
www.animal-heal.de
  

Lesen lernen mit Hund. Das klingt im ersten Moment etwas ungewöhnlich aber auch ungemein interessant. Genau deshalb ist es auch ein Thema für unser Jungenleseförderprojekt „Jungenleseliste“. Die gebürtige US-Amerikanerin Kimberly Ann Grobholz stand den neugierigen Fragen von Dr. Bruno Köhler vom Projekt „Jungenleseliste “ zur Verfügung.

Bruno Köhler: Sehr geehrte Frau Grobholz, vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu diesem Interview. Es ist ja auch ein sehr interessantes Thema, das unwillkürlich viele Fragen aufwirft. „Lesehund“ –Was kann ein Hund zur Leseförderung von Kindern beitragen, was andere Konzepte nicht können?

Kimberly Ann Grobholz: Ein Hund ist ein lebendiges Wesen. Tiere stimulieren beinah immer die Fantasie der Kinder. Wenn man sagt, man liest dem Hund vor, dann ist der Fokus des Kindes auf den „Zuhörer Hund“ konzentriert. Anstatt auf ihr fehlerhaftes Vorlesen konzentriert, haben sie das Gefühl, vom Hund zugehört zu werden ohne Kritik. Wo gibt es sonst eine Erfahrung wie diese?

 Seit wann gibt es diese Art von Leseförderung?

1999 wurde das R.E.A.D. (Reading Education Assistence Dogs) Programm erst entwickelt und in einer Bücherei in Utah USA ausprobiert. Durch den Erfolg gab es bald das Programm auch in Schulen. Kinder, die sonst nur negative Erfahrung mit Vorlesen im Klassenzimmer erlebt hatten, hatten Spaß und Freude am Lesen erlebt. R.E.A.D. ist die größte Organisation für Leseförderung mit Hund in der Welt mit über 5,000 aktiven Teams weltweit.

Wie haben Sie dieses Thema als Ihre Berufung entdeckt?

Ich hatte „Dog Reading“ in Bundesstaat Oregon durch einen Flyer kennengelernt. Das war 2005. Damals hatte ich keine Ahnung, dass ich ein eigenes Programm hier in Deutschland eines Tages aufbauen würde. Im Jahr 2008 haben wir die ersten Schulen besucht. Weniger Berufung, mehr Neugier und Abenteuer. So ist es geblieben.

Gibt es eine Evaluation zu dieser Form von Leseförderung?

Es gibt zahlreiche Studien in den USA über das Phänomen „Dog Reading.“ Hier in München ist die erste Studie schon von der LMU gemacht worden mit sehr positiven Ergebnissen. Leider wurde die Studie nie publiziert. Mehrere Studierende in verschiedenen deutschen Universitäten haben ihre BA- oder MA-Arbeiten über das Projekt LeseHund geschrieben.

Wie läuft so eine Leseförderung konkret ab?

Ein Lesehundteam – Hundebesitzer und sein Hund – geht in die Schule und es lesen meistens drei Schüler, einer nach dem anderen, dem Hund 20 Minuten vor. Ein Lesehundteam besucht eine Schule durchschnittlich 1x in der Woche, jeweils eine Stunde. Ich besuche mit einem anderen Team zwei Schulen pro Woche. Dadurch helfen wir 12 Schülern beim Lesen.

Wer wählt die Literatur zum Vorlesen aus?

Wir benutzen eine Bücherreihe, die besonders geeignet ist für Schüler mit Leseschwäche.

Führen Sie auch gemeinsam Projekte mit Schulen oder Bibliotheken aus?

Beides.

Wir sind ein Jungenleseförderprojekt. Kommt dieses Projekt speziell auch bei Jungs gut an, oder sind Jungen da eher reserviert?

Wir haben viel Erfolg bei Jungs. Sie sind meistens genauso aufgeschlossen den Hunden gegenüber wie Mädchen und zeigen genauso viel Zuwendung und Zärtlichkeit dem Hund gegenüber wie Mädchen.

Sind alle Hunde und Hunderassen als „Lesehund“ geeignet?

Nur Hunde mit besonderen Eigenschaften sind für diese Aufgabe geeignet. Es gibt einige Rassen, die sich nicht eignen. Entweder sind sie von Haus aus zu stressempfindlich oder sie sind besonders gezüchtet, wie viele Kampfhunde.

Wie kann man, also Hund und Begleiter, ein „Lesehund“-Team werden?

Ich biete fast jeden Monat im Jahr ein Lesehund Seminar an. In diesem Seminar lernt der Hundebesitzer, welche Eigenschaften der Hund mitbringen muss, und was vom Hundebesitzer an Fähigkeiten erwartet wird.

Wie viele „Lesehund“-Teams sind bei Ihnen derzeit im Einsatz?

Momentan gibt es ungefähr 50 aktive Teams in Deutschland.

Gibt es auch andere „Lesetiere“?

In den USA gibt es Teams mit Katzen, Hasen und Meerschweinchen. Sogar Minipferde, Hühner und Ratten kommen zum Einsatz. Hier in Deutschland sind wir noch nicht so weit. Ein Hund ist einfach das beste Tier von allen für diese Aufgabe, aber wenn jemand ein anderes Tier einsetzen möchte, würde ich das ganz toll finden.

Die Leseförderung mit „Lesehund“ beruht u.a. ja darauf, den Vorlesenden mehr Selbstvertrauen beim Vorlesen zu geben. Gibt es ähnliche Projekte auch zur Sprachförderung von Kindern, die stottern? Häufig hat das Stottern ja seine Ursache in mangelndem Selbstvertrauen des Redenden.

Wir haben schon Schüler gehabt, deren Sprache nicht sehr flüssig war, und das zeigte sich genauso beim Lesen. Der Lesefluss wurde auf jeden Fall besser.

Vielen Dank für das Interview.

Wenn Sie mehr über das Projekt „Lesehund“ erfahren möchten, können Sie sich unter

www.lesehund.de informieren oder mit Frau Grobholz unter info@lesehund.de Kontakt

aufnehmen.

„Lesehund“ ist ein Projekt des Vereins „Tiere-helfen-Menschen e.V.“