Lesekompetenz von Jungen – ein Artikel auf Betzold-Blog

Leseförderung von Jungen tut not. Die Lesekompetenz von Jungen ist schlecht und sie wird schlechter. Wer www.jungenleseliste.de liest, weiß das. Die PISA-Studie 2018 zeigte, dass sich Lesekompetenz von Jungen gegenüber Mädchen seit 2015 von 21 Punkten auf 26 vergrößerte. Die mittlere Lesekompetenz von Jungen verringerte sich im Vergleich zu 2015 um 13 Punkte.

Bettina Kroker, Online-Redakteurin vom Betzold-Blog, hat auf der Seite https://www.betzold.de/blog/lesekompetenz-von-jungen/ in Kurzform die wesentlichen Punkte zur Jungenleseförderung aufgeführt. Nachfolgend einige Auszüge. Nicht Neues, aber in der knappen und übersichtlichen Form ist der Beitrag vom Betzold-Blog durchaus interessant und empfehlenswert.

„Die Basis wird in der Vorpubertät gelegt. Besonders wichtig ist eine Leseförderung deswegen in den Klassen 3 bis 6 der Grundschule und Sekundarstufe I. In dieser Zeit sollte besonders auf eine gendersensible Förderung geachtet werden. Während der Pubertät, wenn sich der sogenannte „Leseknick“ bereits auswirkt, ist es oft schwieriger, einen Zugang zu den Jugendlichen zu finden.

Leseknick: Lesen steht bei vielen Jungs ab einem bestimmten Alter nicht mehr so hoch im Kurs

Vor allem im Alter von acht bis zwölf Jahren lässt sich ein regelrechter „Leseknick“ feststellen. Bei Mädchen setzt er allerdings erst später ein und wirkt sich deshalb auf die Lesekompetenz lange nicht so stark aus.

Mögliche Gründe für mangelnde Lesekompetenz bei Jungen
  • Fehlende männliche Lese-Vorbilder

Aus der Sicht vieler Jungs sind Romane etwas für Mädchen: Nicht selten sind es in den Familien die Mütter, die ihnen vorlesen. Im Kindergarten werden die Geschichten meist von Erzieherinnen vermittelt und auch an den Grundschulen treffen sie eher auf Deutschlehrerinnen als auf männliche Pädagogen. Spätestens mit der Pubertät wollen sich viele Jungs von diesem vermeintlich weiblich besetzten Interesse abgrenzen. Hier sind die Väter, Onkel und Großväter gefragt: Vorlesen, über Lieblingsbücher reden und Bücher schenken, die einem als Kind selbst gefallen haben!

  • Größere Bedeutung anderer Interessen

Ab einem gewissen Alter spielen Sport, Treffen mit Freunden Fernsehen, PC-oder Konsolenspiele bei vielen Jungs eine weit größere Rolle als Lesen.

  • Geschlechterklischees

Geschlechterklischees wie „Jungs sind besser in Mathe und Mädchen lesen besser und lieber“ wirken wie selbsterfüllende Prophezeiungen (mehr dazu in einer im Februar 2020 veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern der Universität Hamburg: „Beware of Stereotypes: Are Classmates’ Stereotypes Associated With Students’ Reading Outcomes?„) 

  • Unterschiedliche Leseinteressen

Wenn Jungen lesen, greifen sie gerne zu Zeitschriften, Comics, Artikeln, Sach- und Fachbüchern. Unter den Romanen sind actionreiche Abenteuer- und Heldengeschichten beliebt, meint Wolfgang Tischner, Erziehungswissenschaftler an der Technischen Hochschule Nürnberg (Quelle BR).
Während Mädchen gerne Geschichten lesen, die sich kontinuierlich entwickeln und in die sie sich einfühlen können, kommen Jungen mehr mit Texten in Berührung, die bestimmte Informationen vermitteln wollen. So ist auch der große Vorsprung der Mädchen gerade beim Erfassen von Erzählungen und Argumentationen zu erklären, der ebenfalls in der PISA-Studie festgestellt wurde.

(…)

Lesemotivation: Die passenden Bücher für Jungen müssen her!

Dazu eignet sich in erster Linie Literatur, für die sich Jungen begeistern können. Besonders beliebt sind spannende, aktionsgeladene, gruslige und humorvolle Bücher mit männlichen Helden (oder Antihelden, wie im Fall von „Gregs Tagebuch“).

Die Bücher sollten gleich von der ersten Seite an spannend und temporeich sein. So dass sie nur schwer aus der Hand gelegt werden können 🙂

Jungs fühlen sich in den Genres Abenteuer, Fantasy, Krimi, Sport und Science-Fiction wohl. Auch Comics stehen hoch im Kurs. Möglicherweise vorhandenen Dünkel gegenüber den mehr bild- als textreichen Heftchen sollten Sie über Bord werfen. Comics sind eine wunderbare „Leseeinstiegsdroge“. An der Realität orientierte Gesellschaftsromane, Geschichten über Beziehungen, Probleme und Liebe, wie sie in der Schule häufig gelesen werden, sind für viele Jungs uninteressant – ganz anders als für Mädchen.

Für Jungs sind Geschichten, die sie selbst beeinflussen können, besonders motivierend: In diesen Büchern muss nach einem Abschnitt eine Entscheidung getroffen werden, wie die Geschichte weitergehen soll.

So werden Bücher noch interessanter

Der Weg zum Buch kann gerade bei Jungen auch über andere Medien wie Film, Fernsehen oder Video- und Computerspiele gelingen. Die zahlreichen Buchadaptionen machen es möglich. Einmal gesehen oder gespielt, steigt das Interesse für die Handlung und die Charaktere – die Motivation zum Buch zu greifen wird höher. Das Gleiche gilt für Bücher zum Lieblingssport oder Biographien von Sportlern und anderen Idolen.

Auf der Seite „Boys & Books“ finden Sie zahlreiche Buchempfehlungen für Jungen zwischen 6 und 18 Jahren – sortiert nach Altersempfehlungen oder Genres.

Möglicherweise können Sie sogar Buchinhalte fächerübergreifend thematisieren: Werden in den Geschichten z.B. Fußballtricks beschrieben, können diese im Sportunterricht selbst ausprobiert werden oder es ergeben sich Parallelen zum naturwissenschaftlichen Unterricht, Geographie, Religion oder Musik. Hintergründe zu den Büchern werden in Sachbüchern oder über das Internet recherchiert.

Das Nachempfinden der Handlung in Rollenspielen und die Suche nach wissenschaftlichen Belegen und den Hintergründen macht das Buch gerade für Jungen noch interessanter.

Noch mehr Tipps finden Sie in der Lehrerbroschüre zu dem Projekt „Jungen lesen – aber anders!“ der Stiftung Lesen und des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und Sport.

Von der Einbeziehung verschiedener Medien wie Zeitschrift, Zeitung, Comic, Sachbuch, E-Book, Songtext oder Internetartikel und anderen Themen (Sport, Action, Technik, Weltraum) profitieren aber nicht nur die Jungs! Auch Mädchen, die sonst eher zu fiktionaler Literatur greifen, kommt der Kontakt zu anderen Textformen zugute.“

Der Beitrag auf dem Betzold-Blog ist in Gänze lesenswert