Jungen lieben es, Helden zu sein

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Interview mit Herrn Karim Pieritz, Kinderbuchautor

Karim Pieritz wurde 1971 in Berlin geboren und lebt dort mit seiner Familie. Nach dem Studium der Nachrichtentechnik arbeitete er als IT-Consultant. Sein Sohn inspirierte ihn zum Erzählen spannender Abenteuergeschichten, wodurch er seine verloren geglaubte Leidenschaft am Schreiben wieder entdeckte. Aufgrund der positiven Reaktionen bei Testlesern entschied er, seine Bücher zu veröffentlichen. 2013 machte er sich als freier Autor selbstständig und gab den ersten Band seiner Kinderbuch-Reihe „Leuchtturm der Abenteuer“ für Leseanfänger ab 6 Jahren im Selbstverlag heraus. 2015 erschien der sechste und letzte Teil der Reihe. Heute zählen seine Bücher bei Amazon zu den „beliebtesten Kinderbüchern von Indie-Autoren“ und sind dort immer wieder Bestseller. Derzeit arbeitet der Autor an einem Jugendbuch. Dr. Bruno Köhler von www.jungenlseliste.de sprach mit dem Autor.

Jungenleseliste: Sie sind Autor der beliebten Kinderbuchreihe „Leuchtturm der Abenteuer“. Wann und wie haben Sie Ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckt und warum ausgerechnet Kinderbücher?

Karim Pieritz: Meine ersten Geschichten schrieb ich mit ca. 10 Jahren. Damals entdeckte ich auch meine Leidenschaft für das Lesen. In der Schule konnte ich meine schriftstellerische Neigung in Deutsch-Aufsätzen ausleben und bis zu meinem Studienabschluss schrieb ich Kurzgeschichten. Im Berufsalltag kam ich kaum noch zum Schreiben, bis mich mein Sohn zum Erzählen spannender Abenteuergeschichten inspirierte. Ich erinnerte mich wieder daran, wie viel Spaß mir das Ausdenken und Schreiben von Geschichten gemacht hatte und schrieb die aus mir heraussprudelnden Ideen auf. Das Ergebnis waren sechs Kinderbücher, doch für die Zukunft habe ich noch andere Projekte geplant (Jugendbücher und „Erwachsenenbücher“).

Welche Bücher haben Sie als Junge gerne gelesen?

Als ich so alt war wie die Kinder, für die ich heute schreibe, habe ich begeistert Comics gelesen. Meine Helden hießen Donald Duck, Asterix und Obelix. Mit ca. 10 Jahren habe ich dann mit „richtigen“ Büchern angefangen. Damals wie heute ist Science-Fiction mein Lieblings-Genre, besonders, wenn die Geschichten humorvoll sind, einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft ermöglichen und die wichtigen Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest aufwerfen. In meiner Stadtbibliothek habe ich als Jugendlicher in kürzester Zeit den vollständigen Bestand dieses Genres verschlungen, meine Lieblingsautoren waren Isaac Asimov, Philip K. Dick und Douglas Adams.

Für welche Lesergruppe ist „Leuchtturm der Abenteuer“ gedacht und was macht Ihre Bücher für die Kinder so besonders?

Die ersten Bände der Reihe sind für Leseanfänger ab 6 Jahren gedacht, die ganze Sätze lesen können. Schriftgröße und Zeilenabstand sind zunächst sehr groß und die Sätze kurz. Um ein größeres vielschichtiges Abenteuer erzählen zu können, habe ich die Haupthandlung in sechs Episoden aufgeteilt, deren Komplexität und Umfang von Band zu Band steigen. Als ein superdickes Buch hätte sich kein Leseanfänger daran versucht. Jetzt können die jungen Leser sich langsam an die „dickeren“ Bücher herantasten, die ich ab 8 Jahren empfehle.

Meine Fantasiewelt orientiert sich stark an der Realität. Krieg, Vertreibung, Umweltverschmutzung und die Zerstörung des Planeten aus egoistischen Motiven werfen ihre Schatten schon in den ersten Bänden der Reihe voraus. Die Leser spüren, dass es mehr gibt, als die Episodenhandlung und wollen entsprechende Antworten. Diese liefern die mutigen Helden, mit denen sich ein Kind gut identifizieren kann, denn die Helden sind „normale“ Kinder ohne besondere Kräfte. Ihre Superkräfte sind die Werte, für die sie einstehen: Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Familie.

Ich lege den Schwerpunkt auf Handlung und Dialoge und weniger auf endlose Beschreibungen. Dieser Stil kommt bei Kindern gut an, denn ich höre oft, dass meine Bücher „wie ein Film“ sind und sich entsprechend spannend und schnell lesen lassen.

Sie haben ja nicht nur eigene Bücher geschrieben, sondern vermarkten Ihre Bücher auch selber, sind also „Indie-Autor“, wie man dies nennt. Warum haben Sie gleich diese doppelte Herausforderung angenommen – Autor und Selfpublishing? Gab es keinen Verlag, die Ihre Bücher verlegen wollte?

Ich habe – vermutlich wie jeder Autor – davon geträumt, einen namhaften Verlag zu finden, der mein Buch unter seine Fittiche nimmt und groß herausbringt. Ich schrieb über 40 Verlage an und bekam entweder keine Antworten oder Absagen.

Ich war von den Absagen natürlich enttäuscht, aber das erste Buch war ja nun einmal fertig. Sollte es in der digitalen Schublade versauern? Ich entschied mich, schöne Illustrationen zu beauftragen und es selbst zu probieren. Ich begann ein „Writers Coaching“ (das ich bis heute fortführe), um die handwerklichen Grundbegriffe des literarischen Schreibens zu lernen und überarbeitete meine Texte noch einmal gründlich. Als nach der Veröffentlichung die ersten positiven Rückmeldungen kamen (in Rezensionen, E-Mails und nach Lesungen), motivierte mich das, auch die weiteren Bücher zu veröffentlichen. Jetzt sind meine Bücher bei Amazon sehr erfolgreich und zählen dort zu den „beliebtesten Kinderbüchern von Indie-Autoren“.

Ihre Bücher werden auch häufig begeistert von Jungs gelesen. Sie bekommen deshalb dazu immer wieder positive Rückmeldungen auch von Eltern oder Lehrkräften. Was ist Ihr Rezept um speziell Jungen zum Lesen zu motivieren?

Trotz der vielen Kinderbücher auf dem Markt ist es gerade für Leseanfänger (insbesondere für Jungen) schwierig, spannende Bücher für diese Altersgruppe zu finden. Viele gute Kinderbücher – vom kleinen Hobbit bis zum Zauberer von Oz – sind einfach zu „dick“ für diese Leser und machen eher Angst vor der Herausforderung. Daher haben die ersten Bände meiner Reihe absichtlich nur wenige Seiten. Zusätzlich sind die Geschichten in kurze Kapitel aufgeteilt.

Jungen lieben es, Helden zu sein, z.B. bei der Rettung entführter Freunde oder der Jagd auf Dinosaurier. Nicht ohne Grund gibt es so viele Superhelden-Comics, die meist von Jungen gelesen werden. In meinen Büchern können die Jungen sich zudem noch mit den Helden identifizieren, denn sie beginnen als „normale“ Kinder ohne besondere Kräfte. Diese erarbeiten sie sich im Laufe der Zeit und das erhöht die Glaubwürdigkeit.

Ich habe in meinen Geschichten einen ironischen Stil bzw. schwarzen Humor. Wenn ein böser Pirat wie ein Teddybär aussieht, dann liegt es doch nahe, ihm beim Kampf mit der Kochwäsche in der Waschmaschine zu drohen. Solche kleinen, fiesen Gemeinheiten findet man in allen meinen Büchern und sie kommen sehr gut bei Jungen an, speziell, wenn ein Held sie in einer bedrohlichen Situation ausspricht. Das wirkt dann besonders cool. Meine Helden veräppeln aber nicht nur ihre Gegner, sie machen sich auch gerne mal über die Schwächen ihrer Freunde lustig, was dann aber zu entsprechenden Gegenmaßnahmen führt. Das ist dann wie ein normaler Tag in der Schule.

Einer Ihrer wichtigsten Lektoren sei Ihr eigener Junge, schreiben Sie. Wie läuft das ab? Und gibt es von dort nur Lob oder schreiben Sie auch mal Passagen um, weil Ihr Sohn etwas nicht toll findet?

Seit seinem 4. Lebensjahr lese ich meinem Sohn die Geschichten vor oder wir besprechen sie, wenn wir gemütlich auf dem Balkon sitzen oder gemeinsam zur Schule gehen. Er konnte schnell sehr gut lesen und greift bei der Lektüre meiner Manuskripte gerne zum Rotstift, um seine Anmerkungen zu hinterlassen. Ich frage ihn auch, wie glaubwürdig er das Verhalten meiner Charaktere findet und wie spannend neue Ideen sind.

Manchmal denke ich mir scheinbar geniale Handlungen aus, die bei meinem Sohn aber nicht gut ankommen. Ein Beispiel: Das Bärenmädchen Sali hatte versehentlich einen Spielzeugroboter lebendig gezaubert. Mit diesem kleinen Roboter erlebte sie lange Zeit tolle Abenteuer und sie wurden bis zu seinem tragischen Tod beste Freunde. Später traf Sali auf eine mächtige Göttin. Es war von mir geplant, dass diese Göttin in Wahrheit in der Gestalt des kleinen Roboters bei Sali gelebt hat, um sie zu beobachten und zu prüfen. Dabei ließ ich mich von der griechischen Sagenwelt inspirieren.

Logisch stimmte alles, aber die Geschichte stieß bei meinem Sohn auf unerwartet heftigen Widerstand. Er empfand es als Verrat, dass der beste Freund von Sali plötzlich eine Gottheit sein sollte, die Sali prüft und bewertet. So musste ich die Story ändern und rückblickend war das auch eine Bereicherung gewesen.

Sie nutzen intensiv auch die Möglichkeit des eBooks. Welche Erfahrungen haben Sie bezüglich der Akzeptanz, gerade auch für Kinder, als Ihre Zielgruppe, speziell auch Jungs, gemacht?

Bei meinen Lesungen fragen die Kinder immer nach den Bezugsmöglichkeiten und ich erwähne dann auch das eBook. Dann zeige ich den Kindern mein Smartphone und sie schauen es mit riesigen Augen an. Kinderbücher auf einem Erwachsenenspielzeug? Gerade Jungen machen dabei die größten Augen und viele haben auch schon ein Smartphone oder einen alten eBook-Reader der Eltern.

Kinderbuch-eBooks sind für Eltern wie Kinder gleichermaßen interessant, weil sie (zumindest bei mir) deutlich günstiger sind. Außerdem sind sie praktisch im Urlaub, denn preiswerter und schneller kann man sich spannende Leseunterhaltung kaum organisieren, wenn die mitgenommenen Bücher ausgelesen sind und das Wetter unerwartet schlecht ist.

Sie bieten Ihre Werke teilweise auch auf englisch und zweisprachig an. Wie wichtig sind solche Bücher für die Leseförderung?

Meine englischen Ausgaben sind ganz neu und ein Experiment für mich. Würden sich meine Abenteuer auch im fernen Amerika verkaufen? Oder in Australien?

Unabhängig von der Sprache ist es für Leseanfänger oder für die Lesemotivation allgemein wichtig, dass die Inhalte für die Zielgruppe interessant sind. Hier sollte der Schwerpunkt nicht auf der Vermittlung von Grammatikregeln, sondern beim Spaß am Lesen liegen, daher finde ich belletristische Werke mit dem Schwerpunkt Spannung und Humor besonders wichtig.

Ab welcher Klasse bzw. welchen Englischkenntnissen sind Ihre englisch bzw. zweisprachig geschriebenen Bücher geeignet?

Mein Sohn ist jetzt in der 3. Klasse, daher kann ich gut beobachten, wie heute Englisch gelernt wird. Meine Empfehlung: Nicht lange darüber nachgrübeln, sondern einfach lesen. Mein zweisprachiges Erstlesebuch ist sehr gut für Dritt- und Viertklässler geeignet, weil die Sprachen in kurzen Absätzen parallel nebeneinanderstehen und vom Inhalt identisch sind. Auch Leseanfänger ab 6 Jahren, die sich für Englisch interessieren, können es lesen, sollten aber bezüglich der richtigen Aussprache ihre Eltern fragen, ob sie es nicht gemeinsam lesen können.

Ihre Buchreihe „Leuchtturm der Abenteuer“ haben sie mit dem sechsten Band abgeschlossen. Die Fans werden zwar trauern, aber auf welche neuen Buchprojekte von Ihnen dürfen sie sich freuen oder ist jetzt erst einmal Pause angesagt?

Eine Pause gibt es nicht, aktuell schreibe ich an einem Jugendbuch mit 14-16-jährigen Helden. In dem spannenden Abenteuer hat sich die Menschheit in einem globalen Atomkrieg fast ausgelöscht. Sechzig Jahre danach versuchen die letzten Menschen auf einer kleinen Inselgruppe zu überleben und sich ihre Werte, die sie sich nach dem Krieg gegeben haben, zu bewahren. Doch dann kommt eine Hungersnot und ein böser Piratenkäpten macht die Jugendlichen mit einer Droge zu seinen Sklaven. Die einstigen Werte der „Gründer“, allen voran Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit verfallen und weichen dem einzigen verbliebenen Wert: der Droge. Meine jugendlichen Helden wollen das nicht hinnehmen und erklären dem Käpten den Krieg. Doch um überhaupt eine Chance zu haben, müssen sie erst einmal ein Geheimnis lüften, das Geheimnis der verbotenen Insel (Arbeitstitel).

Auch wenn ich in dem neuen Buch viele ernste Themen behandle und auch bezüglich der Action eine härtere Gangart einlege, so bleibe ich meinem aus den Kinderbüchern bekannten ironischen Stil treu. Ich werde einige Verlage anschreiben und das Buch dann (höchstwahrscheinlich wieder im Selbstverlag) nächstes Jahr veröffentlichen. Wer dazu auf dem Laufenden bleiben möchte, kann das in meinem Blog: www.karimpieritz.de

Vielen Dank für das Interview. Mehr über die Kinderbuchreihen „Leuchtturm der Abenteuer“ von Karim Pieritz finden Sie unter http://www.leuchtturm-abenteuer.de/

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